zurück Dossier Frau Dr. Kuonen
Dr.
Stephanie Kuonen zur aktuellen Elektrosmog-Diskussion im
Saastal
« Angst fressen Seele auf»
Dieser. Filmtitel korreliert 'mit der gegenwärtigen
Diskussion um den Elektrosmog im Saastal
Aufgeschreckt
durch die Umfrage einer lokalen Krankenkasse, melden
sich seither in unserer Arztpraxis vermehrt
Patienten mit Befindlichkeitsstörungen
(Kopfschmerzen, Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen; allgemeine
Schwäche, Gliederschmerzen) Krebsangst, Durchfallerkrankungen, Haarausfall,
Hautausschlägen ..., die sie mit einer möglichen Strahlenexposition
in Verbindung sehen.
Diese Befindlichkeitsstörungen sind meistens mit Ängsten verbunden,
sodass nach Ausschluss eines körperlichen Grundes die Angst als Hauptgrund
für die oft behandlungsresistenten Symptome angesehen werden muss.
Aufgeschreckt durch lokale Häufungen von Krebsfällen, Todesfällen
oder auch schwereren Krankheiten, suchen, die Menschen nach Gründen
und finden den allgegenwärtigen Elektrosmog als mögliche
Ursache. -
Der Elektrosmog ist da erhöht, wo die Menschheit intensiv die neuesten
technischen Kommunikationsmittel einsetzt. Somit sind wir alle betroffen,
da wir ja von vielen Seiten bestrahlt werden und diese Technik auch einsetzen.
Ist diese Strahlung nun gesundheitsschädigend? Diese Frage wird sehr
kontrovers diskutiert und die Wissenschaft kann uns keine gesicherten Daten
liefern für oder gegen die Gefährlichkeit der Auswirkung von
alltäglichen elektromagnetischen Strahlen.
Wahrscheinlich können unspezifische Symptome wie die Befindlichkeitsstörungen,
bei entsprechend strahlensensiblen Personen (ca. 5 % der Bevölkerung)
durch Mobiltelefone und deren Antennen ausgelöst werden und zu einer
Einschränkung des Wohlbefindens führen, jedoch sind gravierende
körperliche Erkrankungen mit den heutigen Grenzwerten nicht zu erwarten.
Diese Grenzwerte sind in der seit Februar 2000 festgelegten Verordnung über
den Schutz vor nichtionisierenden Strahlen (NISV) festgelegt und sind vom
Bundesrat erlassen worden, um die Bevölkerung vor den erwiesenen und
vermuteten Auswirkungen dieser Strahlung zu schützen. Diese Grenzwerte
sind international harmonisiert, sie berücksichtigen die Gesamtheit
der an einem Ort auftretenden niederfrequenten oder hochfrequenten Strahlung
(also nicht nur Handys und deren Antennen) _und sie müssen überall
eingehalten werden, wo sich Menschen auch nur kurzfristig aufhalten.
Zur
Situation in Saas-Fee Hier ist vor allem die
Antenne der Natelbasisstation im ,Kirchturm in die Kritik
gekommen:
Wieso ist mitten im Dorf und so nahe der Schule eine
Antenne installiert? Offizielle Messungen des BUWAL,
die wir freundlicherweise von der Gemeinde zur Einsicht
bekamen, zeigen, dass im Bereich der Kirche, des Schulhauses
und der umliegenden Wohnhäuser die Immissionsgrenzwerte
deutlich eingehalten werden. Auch unsere Praxis befindet
sich in kurzer Sichtdistanz zum Kirchturm, ohne dass
wir irgendwelche Störungen festgestellt haben. Wieso
kann, Saas-Fee nicht von Plattjen aus versorgt werden?
Aus technischen Gründen braucht eine Antenne im
Zentrum weniger strahlenintensiv zu sein als eine Antenne
ausserhalb, zusätzlich garantiert die Höhe
der Anlage, dass im Nahbereich eine Art Strahlenschatten
auftritt und somit die tiefen Messwerte in diesem Bereich
erklärt. Auf die doppelte Distanz nimmt die Strahlenintensität
auf ca. die Hälfte ab, Mauerwerk und Dächer
schwächen die Strahlung zusätzlich ab.
Im Saastal befinden sich weniger als 20 Antennen im gesamten
bewohnten Gebiet. Vergleicht man diese Anzahl mit der
Dichte der Antennen in einem
innerstädtischen -Gebiet wie Genf oder Zürich, wo ca: 50 Antennen
in einem Planquadrat von 200 m liegen, so sollten sich unsere Ängste
relativieren.
Ein Beispiel: Ein Lokführer ist während seiner Arbeitszeit
im Führerstand einem starken elektromagnetischen Feld ausgesetzt,
sowohl vom Elektromotor der Antriebslok als auch von der Fahrleitung
und den Schienen, hinzu kommen noch interne Zugfunknetze, das eigene
Handy und ev. Radiofrequenzen. Trotzdem sind Lokführer Menschen,
die ihren Beruf meistens sehr schätzen, eine hohe Konzentration
und Verantwortung aufweisen müssen und nicht vermehrt krank sind.
Was
kann der Einzelne tun:
• Die Handybenützung einschränken, vor allem in Gebieten, wo
eine schlechte Funkverbindung zur nächsten Antenne besteht, da das Handy
seine Sendeleistung dem Funksignal zur Antenne .anpasst.
• Kinder brauchen meistens kein eigenes Handy.
• Strahlungsquellen
in der Wohnung sind unter anderem auch: DECT Schnurlostelefone,
drahtlose Computernetzwerke (WLAN), Bluetooth-Kopfhörer,
funkbetriebene Babyfone, Bildschirme; die elektrischen
Hausinstallationen mit Leitungen und Sicherungskästen,
Steckdosen, alle mit Elektromotor betriebenen Haushaltsgeräte,
Mikrowelle, Niedervolt: Halogenbeleuchtungssysteme etc.
Vor allem permanent betriebene Strahlungsquellen sollten
nicht im Schlafzimmer und an anderen Orten platziert
werden, wo sich Personen stundenlang aufhalten.
• Vertrauen
hilft Ängste abzubauen; wie bei der Lebensmittelverordnung
sind wir nie sicher, ob der empfohlene Grenzwert von
Schadstoffen individuell richtig ist, aber es hilft uns,
wenn wir daran glauben, dass er wahrscheinlich richtig
ist.
Es ist nun an jedem Einzelnen, den von den Behörden und Wissenschaftern
ausgearbeiteten Grenzwerten der NISV Vertrauen zu schenken und damit Ängste
abzubauen. Gemäss unserer Erfahrung im klinischen Alltag verstärken Ängste
jedes körperliche Symptom und1 führen so auch zu relevanten
Gesundheitssttörungen.
Stephanie Kuonen, Fachärztin FMH Allgemeine Medizin, Arztpraxis
Fee
Gletscher-Post
Janur 2006
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