Unglaublich aber wahr - Herbert Limacher von der Abteilung Lufthygiene im kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL) über die Sorgen von Gemeindevertretern und Bürger!
NZZ Online:
9. Januar 2007,
Neue Zürcher Zeitung Handy-Antennen stossen meist auf symbolischen Widerstand
Wenig rechtliche Basis für Bekämpfung - Betreiber und Experten orten Informationsdefizit
In den Gemeinden im Kanton Zürich scheinen die Bewilligungen von Handy- Antennen in letzter Zeit auf vermehrten Widerstand zu stossen - oft mit Unterstützung der Gemeindebehörden. Die rechtlichen Möglichkeiten im Kampf gegen die Antennen sind allerdings sehr gering. ark. «Der Stadtrat hat die baurechtliche Bewilligung für den Bau von fünf Mobilfunk-Antennenanlagen verweigert», heisst es im jüngsten Verhandlungsbericht der Dübendorfer Exekutive. «Verweigerung einer Mobilfunkanlage», meldete zwei Tage später der Küsnachter Gemeinderat. Diese zwei Entscheide sind symptomatisch für die skeptische Grundhaltung gegenüber neuen Handy-Antennen in den Zürcher Gemeinden. So hat vor gut einem Jahr der Stäfner Gemeinderat ein Moratorium für die Bewilligung von Antennen für Mobiltelefonie beschlossen, wenig später folgte die Gemeinde Hedingen mit demselben Schritt. Nach einem erfolgreichen Rekurs der Swisscom beim Regierungsrat musste der Stäfner Gemeinderat seinen Widerstand aufgeben und die aufs Eis gelegten Gesuche zähneknirschend bewilligen. Trotzdem will man in der Seegemeinde nicht tatenlos zuschauen, wie weitere Mobilfunk- Antennen Anlagen errichtet werden. Jüngst hat die lokale Exekutive beschlossen, eine Initiative zu unterstützen, die ein Verbot von Handy- Antennen in Wohn- und Industriezonen fordert.
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Weniger Elektrosmog als vor 50 Jahren
Mit ihrem Widerstand gegen die neuen Antennen stehen die Behörden rechtlich auf dünnem Eis. Dies wissen sie auch selber. Der Dübendorfer Stadtschreiber Rolf Butz bezeichnet die Ablehnung der Baugesuche als symbolisches Zeichen des Stadtrats zuhanden der protestierenden Bevölkerung, die ihren Unmut namentlich mit zwei Petitionen mit je Hunderten von Unterschriften Luft gemacht haben. Gemäss der eidgenössischen Raumplanungsgesetzgebung sind Mobilfunkanlagen innerhalb von Bauzonen grundsätzlich zu bewilligen, sofern die in der eidgenössischen Verordnung über Nicht-ionisierende Strahlung (NISV) festgelegten Grenzwerte eingehalten sind, was erfahrungsgemäss immer der Fall ist. Somit besteht keine rechtliche Grundlage für eine Ablehnung. Das hindert die Behörden aber nicht daran, ihren Widerstand aufrecht zu erhalten. Dabei argumentieren sie vor allem auf zwei Schienen. Einerseits monieren sie eine Störung des Landschaftsbilds und berufen sich dabei auf das kantonale Planungs- und Baugesetz. Andererseits beklagen sie das Fehlen von klaren Befunden über die Auswirkungen von neuen Anlagen, insbesondere für die aktuelle Generation von UMTS- Antennen, die bereits rund einen Drittel der im Kanton Zürich montierten 1500 Mobilfunk-Antennen ausmachen.
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«Aussagen über Auswirkungen bei langfristiger Exposition sind nachweislich noch nicht vorhanden», schreibt der Dübendorfer Stadtrat, «diesbezügliche Erkenntnisse sind im Bewilligungsverfahren also nicht berücksichtigt». «Dummes Zeug», kommentiert Herbert Limacher von der Abteilung Lufthygiene im kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft (AWEL). «Es gibt Grenzwerte, und diese werden eingehalten», stellt der staatliche Experte fest. UMTS-Antennen sendeten mit einer deutlich tieferen Grundlast als die bisher dominierende GSM-Anlagen.
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Sowieso könne man die heutige Strahlenbelastung nicht mehr mit derjenigen aus den fünfziger Jahren vergleichen. Damals sei der Elektrosmog deutlich ausgeprägter vorhanden gewesen als heute. Dafür seien vor allem die starken Sender auf erhöhten Standorten verantwortlich gewesen, namentlich Anlagen für das Fernsehen (das heute weitgehend verkabelt ist) und für Radar mit Flugzeug-Erkennung. Auch das Ästhetik-Argument zieht in Limachers Augen nicht. Man suche hier einfach nach Begründungen, um das Gesetz nicht einhalten zu müssen.
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Die grössten Proteststürme kämen immer aus «Hüsli-Quartieren», wo die Eigentümer durch die Installation von Antennen im Umfeld ihrer Liegenschaften Wertverluste befürchten.
«Behörden wollen Batzen und Weggli»
Limacher wirkt, befragt nach möglichen Lösungsansätzen etwas ratlos. Das grösste Problem sieht er im mangelnden Informationsstand der Bevölkerung. Strahlung gelte ganz einfach als gefährlich. Es werde kein Unterschied gemacht, aus welcher Quelle sie stamme. «Über Hintergründe und Mechanik weiss das Volk nichts», bilanziert der AWEL-Experte. Auch Swisscom-Sprecher Sepp Frey ortet Informationslücken bei der Bevölkerung. «Es gibt viel Aufklärungsbedarf», sagt Frey. Nach heutigem Wissensstand seien die derzeit betriebenen Antennen für die Gesundheit der Bevölkerung unbedenklich. Für Lokalpolitiker sei der Umgang mit neuen Antennen schwierig. Einerseits wollen sie der Bevölkerung die bestmögliche Versorgung mit neuer Technologie bieten, andererseits versuchen sie den Einwänden gerecht zu werden. «Sie möchten den Batzen und das Weggli», sagt der Swisscom-Vertreter.
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