Über 1000 Unterschriften gegen eine Antenne
Mit vereinten Kräften gegen diesen Antennenstandort.
Breiter Widerstand gegen die geplante Mobilfunkantenne auf dem Bahnhofplatz in Lengnau: Die Anwohner haben genug von den Immissionen, die sie dort ohnehin schon ertragen müssen. irl. 108 Einzeleinsprachen und eine Sammeleinsprache mit 906 Unterschriften: Mit dieser geballten Ladung an Widerstand wehrt sich die Lengnauer Bevölkerung gegen die geplante Mobilfunkanlage auf dem Bahnhofplatz.
Dass rund ein Drittel der über 18-jährigen Einwohnerinnen und Einwohner dem Bau der Antenne den Kampf angesagt haben, erstaunt selbst den Gemeindepräsidenten Paul Schaad: "Ich hätte nicht gedacht, dass sich gegen dieses Projekt noch mehr Leute einsetzen würden als gegen das erste Projekt vor einem halben Jahr."
Das Fass läuft über
Damals war eine Mobilfunkantenne in der Nähe der Schulhäuser geplant, gegen die rund 600 Unterschriften zusammenkamen. Der Mobilfunkanbieter Sunrise zog das Projekt zurück, weil in der Zwischenzeit der Eigentümer des Grundes, auf dem die Antenne hätte erstellt werden sollen, gewechselt hatte und der neue Besitzer damit nicht einverstanden war. Als neuen Standort für die rund 26 Meter hohe Antenne hat Sunrise jetzt den Bahnhofplatz ausgewählt. Doch dieser Entscheid ist wie ein Griff ins Wespennest: Die Anwohner fühlen sich durch den Elektrosmog der nahe gelegenen Starkstromleitung der Eisenbahn und der Bahnlinie schon genug belästigt.
Darum wehren sie den zusätzlichen Immissionsverursacher so vehement ab.
Als Grund für die Einsprachen werden in erster Linie nämlich Bedenken wegen der Langzeitbestrahlung durch elektromagnetische Felder genannt.
Angst vor dem Ungewissen
In der unmittelbaren Umgebung hat es neben privaten Liegenschaften auch Einrichtungen wie eine Kindertagesstätte, ein Altersheim oder ein Restaurant, deren Betreiber sich mit dem Gedanken an eine neue Mobilfunkantenne nicht anfreunden können. So auch Margrit Renfer, Stiftungsratspräsidentin des Altersheims: "Ich denke vor allem an unsere Arbeitnehmer und an die Pensionäre, die wir nicht zusätzlichen Belastungen aussetzen möchten, die eventuell gesundheitliche Probleme mit sich bringen könnten." Der Stiftungsrat des Altersheims hat deswegen Einsprache gegen das Projekt erhoben.
Auch Anne Hüsler, Leiterin der Kindertagesstätte "Balu", ist skeptisch und hat deswegen die Einsprache unterschrieben: "Man weiß noch nicht genau, was die Strahlen für Schäden anrichten können. Das macht mir Angst und dieser Ungewissheit möchte ich die Kinder nicht aussetzen." Eine Augenweide sei so eine Antenne außerdem auch nicht gerade, fügt sie als weiteres Argument an. Den Ortsbildschutz nennt auch Paul Schaad als einen der Gründe für die Einsprache des Gemeinderats Lengnau. "Ganz sachlich gesehen ist der Standort, wenn es überhaupt eine Antenne braucht, einer der wenigen, über den man überhaupt diskutieren kann. Aber er verschandelt das Ortsbild und belastet die Umgebung unverhältnismäßig."
Der Gemeinderat ist der Meinung, dass die Antennenanlage im Bahnhofgebiet gar nicht zonenkonform ist.
Vom Mobilfunkanbieter Sunrise war gestern für eine Stellungnahme niemand zu erreichen. Als nächsten Schritt wird der Regierungsstatthalter die Gemeinde und die Bauherrschaft für eine Stellungnahme einladen und die Berichte der Fachstellen einfordern. Anhand der Unterlagen wird er überprüfen, ob die Vorschriften eingehalten werden und ob das Recht auf Baubewilligung besteht.
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