Stadt will Antennenwald auf dem Rathausdach loswerden

Bad Wörishofen - Bürgermeister Klaus Holetschek will die Mobilfunkantennen auf dem Rathausdach loswerden. Anlass für die Überlegungen ist der Wunsch des Anbieters O2 nach einem Ausbau der vorhandenen Sendeanlage. Der liegt dem Rathaus schon länger vor.

"O2 drängt jetzt nach zwei Jahren auf eine Entscheidung", berichtete Holetschek im Stadtrat. Das Unternehmen möchte eine UMTS-Sendeanlage anbringen. Holetschek dagegen favorisiert eine "Paketlösung", wie er sagt, mit der "man die Antennen vom Rathaus runterbekommt". Dazu will der
Bürgermeister auch mit den anderen Anbietern sprechen, die Antennen auf dem Rathaus betreiben. Mehrere Hoteliers hätten sich bereits über den unübersehbaren Antennenwald beschwert, der seit 1994 das Gebäude "ziert".

Auch Stadtrat Ludwig Merz (FWV), der selbst ein Hotel in Sichtweite des Rathauses führt, berichtete von "massiven Problemen" in den vergangenen Jahren: "Vor allem die jungen Gäste sagen mir: Das ist unzumutbar". Schon viele seien wegen der Nähe zu den Antennen wieder abgereist. Dass er für den Abbau der Sendeanlagen ist, überraschte nicht.

Auch Dr. Horst Engler-Hamm glaubt, dass "keiner hier etwas dagegen hat, wenn diese scheußlichen Masten runterkommen und raus aus dem Ort." Auf dem Moosberg wären sie seiner Ansicht nach gut aufgehoben. Bürgermeister Holetschek warnte allerdings davor, schon jetzt mögliche Standorte ins Gespräch zu bringen.
Ende Mai werde es ein Expertengespräch geben, bei dem diese Frage erörtert wird. Das alles soll in Abstimmung mit den Vertretern der beiden Bürgerinitiativen gegen Mobilfunk geschehen, die sich zwischenzeitlich in Schlingen und Stockheim formiert haben (MZ berichtete). Das Ziel des Gesprächs: Man will den Anbietern verträglichere Standorte vorschlagen als das Rathausdach. Wenngleich Holetschek zu bedenken gab, dass dieser Platz so schlecht nicht sei. "Er ist relativ hoch gelegen, die Strahlenbelastung damit geringer als andernorts." Außerdem stünden in Bad Wörishofen im Vergleich zu anderen Städten
nicht besonders viele Mobilfunkantennen.

Man wolle die Angelegenheit ganz offen diskutieren, betonte Holetschek. Auch, weil bis heute niemand sicher sagen kann, ob die Strahlung, die von den Antennen ausgeht, tatsächlich die menschliche Gesundheit beeinflusst. "Es gibt sehr kontroverse Befunde zum Thema Elektrosmog", berichtete Professor Eberhard Volger, der wissenschaftliche Leiter des Europäischen Gesundheitszentrums in Bad Wörishofen. Fest stehe lediglich, dass Radarstrahlung Schäden verursacht. "Das sind auch elektromagnetische Wellen", so Volger.
"Möglich wäre eine Schädigung also schon."

Nur wenig Verständnis für die Debatte zeigte Peter Pohl (CSU). Nach eigenen Angaben besitzt er drei Mobiltelefone. Seine Meinung: "Wenn eine Antenne sichtbar ist, ist das doch besser." Außerhalb des Ortes genüge vermutlich die Leistung nicht, als Folge würden weitere Antennen aufgestellt.