Medizin-Physiker Dr. Lebrecht von Klitzing informierte Mobilfunkgegner über Gesundheitsrisiken

STAPEL"Elektromagnetische Strahlen greifen in das biologische Regelsystem ein. Und das bei Werten, die sich weit unterhalb der Grenzwerte befinden": Mit dieser Aussage verdeutlichte der Medizin-Physiker Dr. Lebrecht von Klitzing am Mittwoch Abend in Stapel die Risiken der Mobilfunkstrahlung. Auf Einladung der Bürgerinitiative, die bekanntlich den Bau des geplanten Mobilfunkturms zu verhindern plant, spürte der wohl populärste Mobilfunkkritiker Deutschlands der Frage nach, "wieviel Mobilfunk der Mensch verträgt?".

In seinem Vortrag, der zahlreiche interessierte Bürger aus den Orten Stapel, Horstedt, Taaken und dem benachbarten Benkel in die Feuerwehrhalle gelockt hatte, erläuterte der ehemalige Leiter des klinisch-experimentellen Forschungslabors der Universität Lübeck eindrucksvoll die gesundheitlichen Schäden, die von elektromagnetischen Strahlen ausgehen.

So hätten Hirnstrommessungen mit mehreren freiwilligen Versuchspersonen ergeben, dass nach 15- bis 20-minütiger Einwirkung einer mit 217 Hertz gepulsten elektromagnetischen Strahlung - die jener von Handys entspricht - Spitzen und Kurven in einem EEG sichtbar geworden sind, die noch kein Mediziner zuvor beobachten konnte. Und: Diese Reaktionen des Gehirns auf die gepulste Strahlung blieben auch nachweisbar, als diese bereits längst abgeschaltet waren. Probleme machen demnach die gepulsten Felder, die nach wissenschaftlichen Untersuchungen die Immunreaktion von Zellen um bis zu 90 Prozent reduzieren würden.

"Menschen reagieren jeweils unterschiedlich", so Dr. von Klitzing, "aber Schlafstörungen, Kopfschmerzen und kognitive Störungen, Tinnitus sowie Veränderungen des Herzschlages und Blutbildes lassen sich auf elektromagnetische Strahlen zurückführen."

Ebenso stehen die gepulsten Strahlen im Verdacht, Leukämie, Hirntumore und Krebserkrankungen auszulösen. Dabei würden die Grenzwerte im Vergleich zu europäischen Nachbarländern deutlich höher liegen - obwohl dieser Zustand im Jahre 2004 vom Bundesgerichtshof angemahnt worden sei. "Diese Grenzwerte wurden in Deutschland an technischen Modellen und an Leichen getestet", schockierte Dr. von Klitzing die sensibilisierte Bevölkerung während der Info-Veranstaltung in Stapel.

"Mobilfunk macht krank", warnte der Referent. So wurden in England beispielsweise die periodisch getakteten elektromagnetischen Felder des Polizeifunks abgeschafft, weil bei den Beamten eine deutlich erhöhte Tumor-Rate auffällig geworden war. In Deutschland hingegen genieße die Mobilfunkindustrie eine große Lobby - Grenzwerte würden in der Regel "niemals erreicht". Dr. Lebrecht von Klitzing: "Es ist doch auffällig, wenn das deutsche Mobilfunkforschungsprogramm mit insgesamt 17 Millionen Euro jeweils zur Hälfte von der Mobilfunkindustrie und dem Bundesumweltministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) finanziert wird." In diesem Zusammenhang kritisierte der Experte in der Bundesrepublik "die Ignoranz gegenüber internationalen Forschungsergebnissen und etablierten Studien". Wissenschaftler aus Rom hätten jüngst bestätigt, dass elektromagnetische Felder durchaus die normalen Hirnfunktionen beeinflussen können.